Halligfriesisch:

Das Halligfriesische ist ein heute noch punktuell auf den Halligen an der Westküste Südschleswigs verbreiteter nordfriesischer Dialekt.

Nordfriesische Dialekte wurden früher von Sylt bis hinunter an die Eider gesprochen. Viele Dialekte sind jedoch inzwischen erloschen. Heute hält sich das Nordfriesische noch in Teilen des Festlandes und auf den Inseln Föhr, Amrum, Sylt und auf der Hochseeinsel Helgoland. Im Süden Nordfrieslands ist das Nordfriesische bereits verschwunden. Auch auf den Halligen ist es kaum noch präsent und wird vermutlich ebenso bald ein Ende finden. Leider gibt es kaum Bemühungen diesen Prozess umzukehren.

Erklärt werden kann diese Entwicklung mit der zunehmenden Dominanz des Hochdeutschen. Das Hochdeutsche konnte sich bereits ab Ende des Mittelalters in mehreren Domänen wie Kirche, Bildung, Handel oder Verwaltung im Süden Schleswigs durchsetzen und so regionale Varianten wie das Friesische und auch das jütländische Dänisch sukzessiv in den privaten oder familiären Raum zurückweisen.

Sprachgeschichtlich ist das Nordfriesische eine westgermanische und nordseegermanische Sprache und steht so dem Englischen, Niederländischen und Niederdeutschen nahe. Insbesondere die Dialekte im Norden Nordfrieslands weisen zudem einen starken dänischen / nordischen Einfluss aus. Neben dem Nordfriesischen gibt es heute noch das Friesische in den Niederlanden und das Ostfriesische – wobei letzteres heute kaum noch gesprochen wird. Der letzte ostfriesische Dialekt ist das im Saterland gesprochene Saterfriesisch. Bis ins 20. Jh. wurde zum Teil noch Wangerooger Friesisch gesprochen.

Innerhalb des Nordfriesischen kann zwischen den Dialekten auf den Inseln und dem Festland unterschieden werden, was mit zwei zeitlich versetzten Einwanderungswellen nach Nordfriesland im Mittelalter erklärt werden kann. Interessanterweise steht das Halligfriesische eher den Dialekten auf dem Festland näher, was eine gemeinsame Einwanderung mit den Nordfriesen des Festlandes andeutet. Hierbei ist das Halligfriesische ein Überbleibsel des früheren Strander Friesisch. Diese friesische Variante war auf der früher vermutlich mit dem Festland verbundenen Insel Strand verbreitet, ehe diese nach mehreren Sturmfluten in mehrere kleinere Inseln und Halligen zerrissen wurde.

 

Was macht das Halligfriesische aus?

Das Halligfriesische teilt eine gemeinsame Sprachgeschichte mit den übrigen nordfriesischen Dialekten. So hat zum Beispiel die Entwicklung vom frühen lang gesprochen i zu einem kurzen i- oder auch zu einem kurzen e- oder a-Laut in allen nordfriesischen Dialekten gleichermaßen stattgefunden. Ein Wort wie Deich heißt zum Beispiel in allen Varianten dik, Brille jeweils bral. Dennoch gibt es auch Abweichungen. So ist das Halligfriesische zwar auf der einen Seite stärker mit den Dialekten des Festlandes als mit denen der Inseln verbunden, auf der anderen Seite fehlt jedoch oft die ausgeprägte Palatisierung (Moulierung) von Konsonanten (also Konsonantenbildungen wie dj, lj, nj und tj), wie es vom Festland bekannt ist. Ein Wort wie Land, das auf dem Festland lönj heißt, heißt zum Beispiel auf Föhr lun und auf den Halligen löön. Ein anderes Beispiel wäre das Wort Vater, das auf dem Festland taatje und auf Föhr aatje, auf den Halligen aber baabe heißt.

 

Grammatik

Ausgehend von der von Jens Lorenzen verfassten Halligfriesischen Sprachlehre sollen im Folgenden einmal Eckpunkte der halligfriesischen Grammatik dokumentiert werden – sofern möglich im Vergleich mit dem umgebenden Deutschen, Dänischen und dem Nordfriesischen auf Föhr und dem Festland. Hierbei handelt es sich um Eckepunkte, nicht um eine vollständige Grammatik.

Artikel

Der unbestimmte Artikel ist im Halligfriesischen in allen Genera identisch.

 

Deutsch

Dänisch

Föhrer Fr.

Festlandfr.

Halligfr.

Maskulinum

ein

en

en, een

en, ån

en

Femininum

eine

en

en, ian

en, iinj

en

Neutrum

ein

et

en, ian

en, iinj

en

 

Der bestimmte Artikel unterscheidet deutlich zwischen den Genera.

 

Deutsch

Dänisch

Föhrer Fr.

Festlandfr.

Halligfriesisch

Maskulinum

der

-en

a, de

e, di

di

Femininum

die

-en

at, det

e, jü

ju

Neutrum

das

-et

at, det

et, dåt

dat

Plural

die

-ene / -ne

a, dön

e, da

de (gespr.: dä)

 

Substantive

Die Mehrzahl der Substantive endet im Plural auf -e. Sie findet sich sowohl bei Substantiven im Maskulinum, Femininum und Neutrum Plural.

Bei Entlehnungen aus dem Hochdeutschen, Niederdeutschen oder Dänischen wird im Plural oft ein -s angefügt.

Zum Teil finden sich im Plural auch die Endungen -ne, -ing oder -inge.

Bei Substantiven, die im Singular auf f enden, ändert sich dieses im Plural meist zu w. Auch bei Substantiven, die im Singular auf ch enden, ändert sich dieses im Plural meist zu g. In beiden Fällen wird von einer Konsonantenerweichung gesprochen.

Bei einigen Substantiven ändert sich im Plural auch der Stammvokal.

Andere Substantiven verändern im Plural weder den Stammvokal, noch haben sie eine besondere Endung. Hier ist der Plural dann ausschließlich aus dem Artikel de und dem Zusammenhang erkennbar.

 

Singular unbestimmt

Singular bestimmt

Plural

bestimmt

 

Maskulinum

Fleck

en plak

di plak

de plake

Laden

en loaden

di laoden

de laodens

Brief

en breef

di breef

de breewe

Zweig

en twich

di twich

de twige

Tag

en dai

di dai

de deege

Bauer

en bure

di bure

de bure

Zahn

en toske

di toske

de toske

 

Feminium

Tasse

en kop

ju kop

de kope

Tochter

en doochter

ju doochter

de doochterne

Farbe

en farf

ju farf

de farwe

Woche

en wich

ju wich

de wige

Kuh

en ku

ju ku

de kii

 

Neutrum

Haus

en hus

dat hus

de husinge

Schwank

en dööntje

dat dööntje

de dööntjes

Messer

en knif

dat knif

de kniwe

 

Anders als auf den Halligen ist im nordfriesischen Dialekt der Insel Föhr die Endung auf-en am weitesten verbreitet. Aber auch die Endung auf -er findet sich. Ansonsten gleichen sich die Muster im Wesentlichen. So finden sich auch auf Föhr und dem Festland die entsprechenden Pluralendungen mit -s, die Wechsel des Stammvokales, die Konsonantenerweichungen und die Beibehaltungen der Singularform.

 

Kasus (Fälle)

Die Fälle sind im Nordfriesischen und somit auch im Halligfriesischen (wie in den angrenzenden skandinavischen Sprachen) stark reduziert. So gibt es in der Form keine Unterscheidung zwischen Nominativ (wer oder was), Dativ (wem) und Akkusativ (wen oder was). Allein der Genitiv (wessen) bildet im Halligfriesischen noch eine eigenständige Form mit der Umschreibung mit foon (von) aus.

 

deutsch

halligfriesisch

Maskulinum Singular

 

Nom. / Akk. / Dat.

der/den/dem Mann

di moon

Genitiv

des Mannes

foon di moon

Maskulinum Plural

 

Nom. / Akk. / Dat.

die/den/den Männern

de moone

Genitiv

der Männer

foon de moone

Feminium Singular

 

Nom. / Akk. / Dat.

die/die/der Frau

ju wuf

Genitiv

der Frau

foon ju wuf

Feminium Plural

 

Nom. / Akk. / Dat.

die/die/den Frauen

de wufe

Genitiv

der Frauen

foon de wufe

Neutrum Singular

 

Nom. / Akk. / Dat.

das/das/dem Kind

dat beern

Genitiv

des Kindes

foon dat beern

Neutrum Plural

 

Nom. / Akk. / Dat.

die/die Kinder, den Kindern

de beerne

Genitiv

der Kinder

foon de beerne

 

Im Föhrer Friesisch findet sich für den Genetiv ebenfalls die Umschreibung mit von (im Föhrer Friesich als faan). Ein Beispiel ist de frinj faan Maike (der Freund von Maike → Maikes Freund). Wenn der Besitzer ein Mensch ist, ist auch die Konstruktion mit einem Possessivpronomen möglich (wie auch im Angeldänischen). Ein Beispiel ist: Maike san frinj (Maike ihr Freund → Maikes Freund). In einigen Fällen wird im Föhrer Friesisch auch noch die Endung -s verwendet. Ein Beispiel wäre uun Gods nööm (in Gottes Namen).

Gleiches Muster findet sich im Nordfriesischen des Festlandes. So kann es heißen da böke voon Petern (Die Bücher von Peter → Peters Bücher) oder auch Peter sin böke (Peter seine Bücher → Peters Bücher).


Adjektive

Prädikative und adverbiale Adjektive bleiben im Nordfriesischen (wie z. B. auch im Gutamål) unverändert. Beispiele aus dem Halligfriesischen sind:

deutsch

halligfriesisch

groß

grot

klein

lidj

hoch

huuch

niedrig

leech

alt

ual

jung

jong

gut

gööd

schlecht

schocht

reich

rik

arm

eerm

 

Adjektive, die in Verbindung mit einem Substantiv stehen (also  attributiv verwendete Adjektive) werden auf Föhr und dem Festland im Maskulinum mit der Endung -en dekliniert.

 

Komparation

Die Adjektive werden im Halligfriesischen mit den Endungen -er (im Komparativ) und -st (im Superlativ) gesteigert. Dies gleicht dem Muster in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und auf dem Festland.

 

Positiv

Komparativ

Superlativ

 

regelmäßig

groß

grot

groter

größt

klein

lidj

lidjer

lidjst

reich

rik

riker

rikst

 

unregelmäßg

alt

ual

aoler

aolst

gern

haol

liawer

liawst

viel

fole

mor

maost

 

Personalpronomen

Bei den Personalpronomen kann zwischen Subjekt- und Objektpronomen unterschieden werden. Subjektpronomen stehen anstelle eines Subjekts (also im Nominativ). Objektpronomen stehen anstelle eines Objekts (also im Akkusativ oder Dativ). Anders als im Deutschen sind im Nordfriesischen (wie auch in den skandinavischen Sprachen wie dem Gutamål) Akkusativ und Dativ zusammengefallen, bilden also eine gemeinsame Form.

Neben dem Singular und Plural gab es im Halligfriesischen bis ins 20. Jh noch den Dual. Im Föhrer Friesisch finden sich die Formen für den Dual noch. Für die Subjektpronomen lautet er wat (wir beide) und jat (ihr beide) und bei den Objektpronomen onk (uns beide) und jonk (euch beide). Wesentlich seltener wird der Dual auf dem Festland verwendet. Hier lautet er bei den Subjektpronomen ebenfalls wat (wir beide) und jat (ihr beide) und bei den Objektpronomen unk (uns beide) und junk (euch beide).

Personalpronomen  (Subjektpronomen)

 

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

Singular

ich

jeg

ik (‘k)

ik (‘k)

ik

du

du

dü

dü

du

er

han

hi (‘r)

hi (‘r)

hii

sie

hun

hat (‘t), jü

jü (‘s)

ju

es

det

at (‘t), hat

et (‘t)

dat

Plural

wir

vi

wi (‘f)

we

wii

ihr

I

jam (‘m)

jam (‘m)

jam

sie

de

jo (‘s)

ja (‘s)

jä

 

Im Föhrer Friesisch lauteten die Personalpronomen in der 3. Person Singular früher hi (er), jü (sie) und hat (es) – und entsprachen so den übrigen nordfriesischen Dialekten. Ab dem 19. Jh. wurde jedoch jü zunehmend durch hat abgelöst.

 

Personalpronomen  (Objektpronomen)

Im Nordfriesischen wird bei den Objektpronomen nicht zwischen Akkusativ und Dativ unterschieden (ebenso wie im Englischen, Niederdeutschen und in den nordischen Sprachen wie dem Dänischen und Gutamål).

 

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

Singular

mir, mich

mig

mi

me

mii

dir, dich

dig

di

de

dii

ihm, ihn

ham

ham (‘n)

ham (‘n)

ham

ihr, sie

hende

ham (‘t)

har (‘s)

här

ihm, es

den, det

at (‘t)

et (‘t)

dat

Plural

uns

os

üs (‘s)

üs, üüs

us

euch

jer

jam

jam

jam

ihnen, sie

dem

jo (‘s)

jam, ja (‘s)

jam

 

Possessivpronomen

Possessivpronomen drücken Besitz  oder Beziehungen aus (also wem oder was etwas gehört).

Deutsch

Dänisch

Halligfriesisch

 

 

Maskulinum

Femininum

Neutrum

meine(e)

min, mit, mine

maan

min

min

dein(e)

din, dit, dine

daan

din

din

sein(e)

hans, sin, sine

saan

sin

sin

ihr(e)

hendes, sin, sine

härn

här

här

sein(e)

dens, dets

saan

sin

sin

unser(e)

vores

usen

us

us

euer/eure

jeres

jaan

jaar

jaar

ihr(e)

deres

jääre

jääre

jääre

 

Das Halligfriesische gleicht hier grob den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland. Wobei kleinere Abweichungen bestehen. So heißt es zum Beispiel auf Föhr (Fering) und dem Festland (Mooring) in der ersten, zweiten und dritten Person Singular man, dan und san statt maan, daan und saan. In der ersten Person Plural heißt es auf Föhr üüs und auf dem Festland üüsen statt usen auf den Halligen. In der zweiten Person Plural heißt es auf Föhr jau und auf dem Festland jarnge statt jaan und jaar auf den Halligen.

 

Reflexivpronomen

Reflexivpronomen beziehen sich immer auf das Subjekt eines Satzes und stimmen mit ihm bei Numerus und Person überein. Mit Ausnahme der dritten Person Singluar (ham) entsprechen die Reflexivpronomen immer denen der Objektpronomen.

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

mir, mich

mig

mi

me

mii

dir, dich

dig

di

de

dii

sich (mask.)

sig

ham

ham

ham

sich (fem.)

sig

ham

har

här

sich (neutr.)

sig

ham

ham

ham

uns

os

üs

üs, üüs

us

euch

jer

jam

jam

jam

sich

sig

jo

jam, ja

jam

 

Umgangssprachlich wird in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland für die 3. Person Singular und Plural auch sik verwendet.

Neben den Reflexivpronomen bestehen noch die Reziprokpronomen, um eine Wechselseitigkeit auszudrücken (also im Deutschen: einander und im Dänischen: hinanden,  hverandre). Dies sind auf Föhr enöler bzw.arköler und auf dem Festland enouder.

 

Relativpronomen

Am häufigsten wird im Halligfriesischen das Relativpronomen wat verwendet. Das Relativpronomen ist unveränderlich - zeigt also weder Genus (Geschlecht), Numerus (Anzahl) noch Kasus (Fälle)  an, wird also in allen Fällen (Nominativ, Akkusativ und Dativ) verwendet.

Daneben können auch die Artikel di, ju und dat als Relativpronomen genutzt werden.

Auch in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland ist wat am weitesten verbreitet. Daneben findet auch das ältere diar (Föhrer Friesisch) bzw. deer (festlandfriesisch) Anwendung. Bei einem örtlichen oder zeitlichen Zusammenhang kann auch weer (wo) verwendet werden.

 

Demonstrativpronomen

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

dieser

denne

deheer, dediar, desalew

diheere, dideere, diseelwe, diseelwie

di, dihire, didire

diese

denne

detheer, dethiar, detsalwer

jüheer, jüdeer, jüseelew, jüdeelwi

ju, juhir, judir

dieses

dette

detheer, dethiar, detsalwer

dåtheer, dåtdeer, dåtseelew, dåtseelwi

dat, dathir, datdir

diese

disse

 

-e

de, dehire, dedire

 

Im Halligfriesischen entsprechen die Demonstrativpronomen den Artikeln. Neben den Grundformen di, ju und dat gibt es jedoch noch zwei verstärkende Formen, die sich aus dem Artikel und den Endungen -dir(e) (da, dort) und -hir(e) (hier) zusammensetzen.

Das Muster gleich dem der nordfriesischen Dialekte auf Föhr und dem Festland. Eine weitere Möglichkeit ist die Bildung mit einer Form von -salew (Föhrer Friesisch) bzw. -seelew (Festlandfriesisch), was beides selbst bedeutet. Im Föhrer Friesisch gibt es zudem die Ausnahme, dass die Formen für das Neutrum mit denen für das Femininum zusammenfallen.

 

Indefinitpronomen (unbestimmte Pronomen)

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

einer

én

een, eener

 

 

man

man

ham (‘am,‘m)

huum, följk

huum

jemand

nogen

hoker

 

hook

niemand

ingen

neemen

niimen(s)

niamen

jedermann

enhver

arkeneen, alemaan

 

arken

jeder

enhver

arke, arkes, arken

 

arken

jede

enhver

arke, arkes, arken

 

ark

jedes

enhver

arke, arkes, arken

 

ark

nichts

 

 

intet, ingenting

nant, niks

ninte, niks

niks

etwas

noget

wat

wat

wat

manche

mange, nogle

 

 

wäning, aam

viel

meget

 

 

fole

 

Fragepronomen

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

wer

hvem

hoker

huum

hook

wessen

hvis

hoker san / sin / sinen

huums(en)

foon huum

wem

hvem

hoker

huum

huum

wen

hvem

hoker

huum

huum

was, welcher

hvilken

wat

wat, huken

wat fir aon

was, welche

hvilket

wat

wat, huken

wat fir ian

was, welches

hvilke

wat

wat, huken

wat fir ian

 

Verben

Verben drücken eine Handlung oder ein Geschehen aus und stehen im Satz als Prädikate. Sie werden in Hinblick auf Person, Numerus (Anzahl), Tempus (Zeit) und Modus konjugiert.

Nachfolgend ein Beispiel für die regelmäßige Konjugation:

(zu) spielen

 

 

 

 

Präsens

Präteritum

Perfekt

Plusquamperfekt

ich spiele

ik späl

ik späld

ik hääw späld

ik hee späld

du spielst

du spälst

du spälsd

du hääst späld

du heest späld

er spielt

hii spält

hii späld

hii heet späld

hii hee späld

sie spielt

ju spält

ju späld

ju heet späld

ju hee späld

es spielt

dat spält

dat späld

dat heet späld

dat hee späld

wir spielen

wii späle

wii spälden

wii hääwe späld

wii heen späld

ihr spielt

jam späle

jam spälden

jam hääwe späld

jam heen späld

sie spielen

jam späle

jä spälden

jä hääwe späld

jä heen späld

 

Futur I

Futur II

ik  ward späle

ik ward späled heewe

du wardst späe

du wardst späled heewe

hii ward späle

hii ward späled heewe

ju ward späle

ju ward späled heewe

dat ward späle

dat ward späled heewe

wii warde späe

wii warde späled heewe

jam warde späe

jam warde späled heewe

jä warde späe

jä warde späled heewe

 

Auch im nordfriesischen Dialekt des Festlandes wird im Präsens in der 2. Person Singular ein -st, in der 2. Person Singular ein -t und im Plural ein-e angefügt

Nachfolgend noch ein Beispiel für eine unregelmäßige Konjugation:

(zu) schießen

 

 

 

 

Präsens

Präteritum

Perfekt

Plusquamperfekt

ich schieße

ik skiit

ik skuat

ik hääw skääden

ik hee skääden

du schießt

du skotst

du skuatst

du hääst skääden

du heest skääden

er schießt

hii skot

hii skuat

hii heet skääden

hii hee skääden

sie schießt

ju skot

ju skuat

ju heet s skääden

ju hee skääden

es schießt

dat skot

dat skuat

dat heet skääden

dat hee skääden

wir schießen

wii skiite

wii skuaten

wii hääwe skääden

wii heen skääden

ihr schießt

jam skiite

jam skuaten

jam hääwe skääden

jam heen skääden

sie schießen

jä skiite

jä skuaten

jä hääwe skääden

jä heen skääden

 

Futur I

Futur II

ik  ward späle

ik ward skääden heewe

du wardst späe

du wardst skääden heewe

hii ward späle

hii ward s skääden heewe

ju ward späle

ju ward skääden heewe

dat ward späle

dat ward skääden heewe

wii warde späe

wii warde skääden heewe

jam warde späe

jam warde skääden heewe

jä warde späe

jä warde skääden heewe

 

Konjunktionen

Nachfolgend einzelne Beispiele für Konjunktionen im Halligfriesischen. Konjunktionen sind Bindewörter, die einzelne Wörter, Wortgruppen oder ganze Sätze miteinander verbinden oder verknüpfen. Sie können nebenordnend oder unterordnend sein. Unterordnende Konjunktionen (Subjunktionen) leiten einen Nebensatz ein, sie ordnen einen Nebensatz also einem Hauptsatz unter.

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

nebenordnend

aber

men

man, oober

ouers, aaber

man

auch

også

uk

uk

ok

denn

for

dan

dan

dän

doch

dog, men

dach

duch

dach

und

og

an

än

än

oder

eller

of

unti, ooder

ooder, eder

sondern

men

man

ouers

man

unterordnend (Subjunktion)

als

da

üüs

as

as

dass

at

dat, det

dåt

dat

ehe, bevor

før, inden

iar, beföör, föör dat

befor, iir, iirdät

befeer

gleichwohl

skønt, til trods for at

alikwel, likwell, like(r)s

likefoole

likefole

obwohl

selvom

uk wan‘t

åldåt, hüwälj

 

sobald

så snart, så snart som

so bal, so gau

sü bål

subale

sowie

samt

an uk

sü as

su as

weil

fordi

auer

ouer(dåt), amdåt

auer dat

wie

som, hvordan

üüs

hü

as

wenn

når, hvis

wan

wan

wän

wo

hvor

huar

weer

wir

ob

om

of, wer

weer

 

seit

siden, siden at

sant

sunt

 

bis

indtil

bit

bit, tu

 

 

Adverbien

Adverbien (Umstandswörter) sind unveränderliche Wörter in einem Satz, die die näheren Umstände einer Handlung oder eines Zustands beschreiben - also wann, wo, wie oder warum etwas geschieht.

 Es gibt Adverbien des Ortes, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes.

lokal (Ort oder Richtung)

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

da, dort

der

diar

deer

dir

darin

deri, derinde

diaruun

deerönj

diirin

darauf

derpå

diarüüb

deeraw

dirap

darunter

derunder

diaroner

deeruner

dironer

dazwischen

(in der Mitte von)

imellem, derimellem

auermad

deertwasche

dirtwaske

dazwischen (unter anderem)

deriblandt

 

deermade

dirmaade

dorthin

derhen

diarhen

deerhane

dirhaane

draußen

ude, ud

bütjen

üte, büte, bütefor

bute

drinnen

inde, ind

banen, ban

bane, baneönj

baane

her

her

juart

jurt

huurte

herunter, hinunter

ned, nedenunder

deel

dil, dilam

dääl

hin

hen

am

haane

haane

hinauf

op

henap

ap

ap

hin und her

frem og tilbage

jant an juart

jant än jurt

haan än huurte

hinten

bagved

beeft, selten: bäächt

ääder

äädern

nach

til, mod

efter, tu

eefter

eefter

nach oben

op, opad

apbop, amhuuch, apboowen

eefter boowen

eefter bääben

nach unten

ned, nedad

deelwarts

eefter dele

eefter deelen

neben

ved siden af

bi

Iinj, näisi, bai

bai

nebenher

ved siden af, sideløbende

bitu

tubai

tobai

nirgends

ingen steder

nochhuaren

nargens, nargne

näärngs

überall

overalt, alle vegne

aueraal, alerweegen

oueråål, alerwäägen

aueraol

umher

(rundt) omkring

ambi

ambai

ambai

unten

nede, ned

oner, deel

deele

deele

unterwegs

undervejs

onerwai, onerwais

unerwäis, tuwäis

onerwai

vor

foran

föör

for

feer

voraus

forud, foran

föörütj, fööruf

foreüt, forüt

feerut

vorbei

forbi

föörbi

forbai

feerbei

vorne

foran, forrest

föör

foore

foore

vorwärts, voran

frem, fremad

föörütj

foram

feeröön

weg, fort

væk, borte

wech

wach

wäch

wo

hvor

huar

weer

wir

worin

hvori

huaruun

weerönj

wirin

zurück

tilbage

turag

tubääg

tobääch

temporal (Zeit)

bald

snart

bal

bål

bale

dann

så, derefter

do, dan

dan

dän

einst

engang

iartidjs, ians, ens

iinjsen, iirtids

Iir, iirmaols

früh

tidlig, tidligt

ääder

eeder, tidi

eeder

früher, vorzeiten

tidligere, i fordums tid

iar

iir

iir

gestern

i går

jister

anjörsne

jostern

gestern morgen

i går morges

jister maaren

anjörsne mjarn

Jostern miarn

gleich, sofort

med det samme, straks

jister inj, jinstrinj

 glik(s), straks, matiinjs

glik

heute

i dag

daaling

diling

dälling

heute morgen

i morges

maarling, jimaaren

mårling

moorling

heute abend

i aften

iljing

eeling

eeling

immer

altid

altidj, altidjs, immer, aleewen, leewen

ålten(s), åltid(s)

jumer

immer noch

stadig, stadigvæk

aleewen

ålten(s), åltid(s)

jumer noch

in diesem Jahr

i år

juarling

jarling, iirling

iirling

jahrelang

i årevis

juarenloong, juarloong

iirngelung

iirngelong

jährlich

årligt, hvert år

juarelk, juarelks

jarlik, iirlik

ark iir

lange

længe

loong

lung

long

manchmal

nogle gange, sommetider

wilems, wilem

wilems, baischöre, samtids

wilms

mitunter

indimellem, undertiden

wilems, wilem

wilems, samtids, unerma

medoner

morgen

i morgen

maaren

mjarne

miarn

morgen früh

i morgen tidlig

ääder de maaren, ääder maarens

mjarneeder

miarn eeder

morgen abend

i morgen aften

maaren inj

mjarneene

miarn eene

niemals

aldrig

nimer, oler, aler

uler

numer

nun, jetzt

nu

nü

nü            

nu

oft

ofte

fölse, fölsis

oofting, ooftem, ooft

foltonge, ooft

rechtzeitig

i tide, til tiden

tutidj, tutidjs, tupaas

betid(s), baitide

betids

schon

allerede

al

ål

al

soeben

lige, netop

jüst, eewenst

jüst äiwen

just

spät

sent

leed

lääs

lää

übermorgen

i overmorgen

auermaaren

ouremjarne

auermiarn

vorgestern

i forgårs

iarjister

iirjörsne

iirjostern

zuweilen

lejlighedsvis, undertiden

bi tidjen, wilems

wilems, baischöre

biskurns

modal (Art und Weise)

beinahe, fast

næsten, næppe

bal, binai, naistenbi, miast (eigentlich: meist)

bål, mååst, bainäi

maostto

bloß, nur

kun, bare

bluat, man

bloot(s), män

bluat

entzwei

i stykker, itu

uunstaken, uuntau

önjstöög(e)

instuge

ganz und gar

fuldstændig, ganske

hialandaal

gåns än goor

gans än goor

gern

gerne

hal, giarn

hål

haol

gewiß, sicher

vist, sikkert, bestemt

was

sääker

sääker

glimpflich

nådigt, billigt

üüb’t best

lamplik

mä nau nuad

kaum

næppe, knap nok

knaap

knååp

knaap

nicht

ikke

ei

ai

ee

so

så, sådan

si

sü, süng, südänji

su, sudeneeni

ungefähr

 

cirka, omtrent, nogenlunde

amtrent, amentrent, amanbi, üngefeer

üngefäär, ambai, amenbai,

amentränt, trinam

su bomeli, trinambai

vergebens, vergeblich

forgæves

amsonst

ferjääws, amensunst, amninte

amsonst

vielleicht

måske

ferlicht

flicht

flicht, saacht

wahrscheinlich

sandsynligvis

wel, woorskiinelk, was

wälj, wårschiinjlik, was

was, woorskiinlik

wohl

vel, nok

wel

wälj

wil

ziemlich

temmelig, ganske

temelk, al, alwat

bili

täämlik

kausal (Grund)

darum, deshalb

derfor

diaram, diarauer

deeram, deerouer

diram

 

Zahlen

Kardinalzahlen (Grundzahlen)

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

eins

en, et

ian

iinj

ian

ein (Mask.)

en

een

ån

aon

eine (Fem.)

en

ian

Iinj

ian

ein (Neutr.)

et

 

iinj

 

zwei

to

tau, taw

tou

taue

zwei (Mask.)

to

 

twäär

tweer

zwei (Fem.)

to

 

tou

twaane

zwei (Neutr.)

to

 

tou

 

drei

tre

trii

trii

tree‘e

drei (Mask.)

tre

 

tra

traane

drei (Fem.)

tre

 

trii

traane

drei (neutr.)

tre

 

trii

 

vier

fire

fjauer, fjawer

fjouer

fjauer

fünf

fem

fiiw

fiiw

fiiw

sechs

seks

seeks, sääks

seeks

seeks

sieben

syv

sööwen

soowen

sääben

acht

otte

aacht

oocht

aacht

neun

ni

njüügen, njügen

nüügen

njugen

zehn

ti

tjiin

tiin

tiin

elf

elleve

elwen

alwen

älef

zwölf

tolv

twaalew

tweelwen, tweelew

twälef

dreizehn

tretten

tretanj, tretaanj

tratäin

trotään

vierzehn

fjorten

fjauertanj, fjawertaanj

fjouertäin

fjauertään

fünfzehn

femten

füftanj, füftaanj

füftäin

fuftään

sechszehn

seksten

sekstanj, sekstaanj

seekstäin

seekstään

siebenzehn

sytten

sööwentanj, sööwentaanj

soowentäin

sääbentään

achtzehn

atten

aagetanj, ochtaanj

oochtäin

aachttään

neunzehn

nitten

njüügentanj, njügentaanj

nüügentäin

njugentään

zwanzig

tyve

twuntig

twunti

twonti

einundzwanzig

enogtyve

ianantwuntig

iinjäntwunti

ianäntwonti

vierundzwanzig

toogtyve

tauantwuntig

touäntwunti

tauäntwonti

 

dreißig

tredive

dörtig, dortig

dörti, dorti

dorti

vierzig

fyrre

fiartig, firtig

fäärti, fjarti

fiirdi

fünfzig

halvtreds

föftig, feftig

füfti

fufti

sechzig

tres

söstig

süsti

susti

siebzig

halvfjerds

sööwentig

soowenti

säämti, söömti

achtzig

firs

tachentig

tachenti

tachendi

neunzig

halvfems

neegentig

näägenti

näängdi

hundert

hundrede

hunert

hunert

honert

tausend

tusend

düüsen

duusend

duusend

 

Ordinalzahlen

Die Ordinalzahlen werden im Halligfriesischen in der Regel über die Anfügung eines -d oder -st an die Kardinalzahlen (Grundzahlen) gebildet, wobei im Maskulinum noch ein -e angefügt wird.

So heißen der erste und der zwanzigste jeweils di iaste und di twontiste. Im Femininum und Neutrum fehlt das abschließende -e und es heißt entsprechend ju iast oder dat twontistv.

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

erste(r)

første

iarst

iarst(e)

iarst(e)

zweite(r)

anden/andet

naist/öler, naust/ööder

tweed(e), ouder(e), lääder(e)

tweed(e)

dritte(r)

tredje

traad

treed(e)

treed(e)

vierte(r)

fjerde

fjuard, fift

fiird(e)

fiird(e)

fünfte(r)

femte

füft

füft(e)

fufd(e)

sechste(r)

sjette

seekst, sääkst

seekst(e)

seeksd(e)

siebte(r)

syvende

sööwenst, söwenst

soowenst(e)

sääbend(e)

achte(r)

ottende

aachst, ochst

oochst(e)

aachtd(e)

neunte(r)

niende

njüügenst, njügenst

nüügenst(e)

njugend(e)

zehnte(r)

tiende

tjiinst

tiinst(e)

tiind(e)

elfte(r)

ellevte

elwenst

alwenst(e)

 

zwölfte(r)

tolvte

twaalewst

tweelest(e)

 

dreizehnte(r)

trettende

tretanjst, tratanjst

tratäinst(e)

trotäänd

vierzehnte(r)

fjortende

fjauertanjst, fjawertaanjst

fjouertäinst(e)

fjauertäänd

fünfzehnte(r)

femtende

füftanjst, fiftaanjst

füftäinst(e)

fuftäänd

sechszehnte(r)

sekstende

sekstanjst, sekstaanjst

seekstäinst(e)

seekstäänd

siebzehnte(r)

syttende

sööwentanjst,

söwentaanjst

soowentäinst(e)

sääbentäänd

achtzehnte(r)

attende

aagetanjst, oochtaanjst

oochtäinst(e)

aachttäänd

neunzehnte(r)

nittende

njüügentanjst, njügentaanjst

nüügentäinst(e)

njugentäänd

zwanzigste(r)

tyvende

twuntigst

twuntist(e)

twontist(e)

dreißigste(r)

tredivte

dörtigst

dortist(e)

dortist(e)

vierzigste(r)

fyrrende

fiartigst, firtigst

fäärtist(e)

fiirdist(e)

fünfzigste(r)

halvtredsende

föftigst, feftigst

füftist(e)

fuftist(e)

sechzigste(r)

tressende

söstigst

süstist(e)

sustist(e)

siebzigste(r)

halvfjerdsende

sööwentigst

soowentist(e)

söömtist(e)

achtzigste(r)

firsende

tachentigst

tachentist(e)

 

neunzigste(r)

halvfemsende

neegentigst

näägentist(e)

 

hundertste(r)

hundrede

hunertst

hunertst(e)

 

tausendste(r)

tusinde

düüsenst

duusenest(e)

 

 

Multiplikativa (Widerholungszahlen)

Deutsch

Dänisch

Föhrer Friesisch

(Fering)

Festlandfriesisch

(Mooring)

Halligfriesisch

einmal

én gang

iansis, ianse

Iinjsen, iinjtooch

iantoch

zweimal

to gange

tweisis, tweise

twaie, tou tooche/tunge

twaiauer

dreimal

tre gange

triisis, triise

traie, trii toche/tunge

tretonge, traiauer

viermal

fire gange

fjauersis, fjawerse

fjouer tooche/tunge

fjauertonge

fünfmal

fem gange

fiiwsis, fiiwse

fiiw tooche/tunge

fiiwtonge

 

Ergänzend heißen keinmal, immer und niemals im Halligfriesischen niantoch, jumer und numer.


Im Folgenden noch einige kurze Texte auf Halligfriesisch.

Halligfriesisch

Deutsch

Nachfolgend Aufzeichnungen von 1938 zum Zustand der friesischen Sprache auf der Hallig Langeness von Haye Hinrichsen. Hinrichsen war ein auf der Hallig Langeness lebender friesischer Autor und Chronist.

Feer riklik honert iir jööw’t ue’e Nees bluat noch ian spreek: Freesk. Maan baabe heet mii fertäld, dat Volkert Tadsen sin mäm Aane Margrethe, tolaid Jürgensen, foon Pelweerm as ju iarst plaottutsk wuf hir tolööns kumen is. Dat waos suwat am 1820. Uw Pelweerm kunen’s to ju tid aal ee mor freesk snaake. De halijude kune bii’es, freesk än plaottutsk, än su sprööken’s aaltmaol mä Broder Melf Tadsen sin wuf plaottutsk, wat fir änkelte Neesjude flicht gor ee su lacht waos.

 

Vor etwa (reichlich) 100 Jahren gab es auf Langeness nur eine Sprache: Friesisch. Mein Vater hat mir erzählt, dass Volkert Tadsens Mutter Anna Margaretha, geb. Jürgensen, von Pellworm als die erste plattdeutsche Frau hier ins Land gekommen ist. Das war so um 1280. Auf Pellworm konnte man zu der Zeit schon nicht mehr friesisch sprechen. Die Halligleite können beides, friesisch und plattdeutsch, und so sprachen sie alle mit Broder Melf Tadsens Frau plattdeutsch, was für einzelne Langenesser Leute vielleicht gar nicht so leicht gewesen war.

De seeks beerne, de in dat plaottusk hus uw Kädelsweerw apwuksen, wurden in ju fraamd spreek grot. Traane foon jam, aon sen än taue doochterne befraiden jam uw’e Nees, än su waos ju freesk spreek aal ut tree’e husinge utsmääden. Foon Broder än Aane Tadsen järe beernsbeerne wurden aachttään uw’e Nees tolaid. De maoste sän eefter butlööns troken. Nu won’r noch taue beernsbeerne än taue beernsbeernsbeerne uw’et löön, än de häw naturlik dat plaottutsk as husspreek.

 

Die sechs Kinder, die in dem plattdeutschen Hause auf der Ketelswarft aufwuchsen, wurden in der fremden Sprache groß. Drei von ihnen, ein Sohn und zwei Töchter, verheirateten sich auf Lengeness, und so war die friesische Sprache schon aus drei Häusern hinausgeworfen. Von Broder und Anna Tadsen Kindeskindern wurden 18 auf Langeness geboren. Die meisten sind nach auswärts gezogen. Jetzt wohnen dort noch zwei Kindeskinder (Enkel) und zwei Urenkel, und die haben natürlich das Plattdeutsche als Haussprache.

Suwat am aachttäänhonertsöömti kumen tweer Strööninger, aon Pelweermer än aon Eiderstädter eefter de nee, fraiden freeske foomens än wurden halibure. De Strööninger än de Eiderstädter kunen to ju tid ok nian freesk mor. Arken moost mä jam plaottutsk snaake, än su waos feer söömti iir haan am bai de fiirede dial foon de Neesjude plaottutsk wurden.

 

Um 1870 kamen zwei Nordstrander, ein Pellwormer und ein Eiderstedter nach Langeness, heirateten friesische Mädchen und wurden Halligbauern. Die Nordstrander und Eiderstedter konnten damals auch kein Friesisch mehr. Jeder musste mit ihnen Plattdeutsch sprechen, und so war vor 70 Jahren etwas der vierte Teil der Langenesser Bevölkerung plattdeutsch geworden.

Man dirbai bliaf’t ee. Jumer mor plaottutske kumen tolööns än broochten dat freesk armen wider in’e knip. Feer 25 (fiiwäntwonti) iir spröök uw’e Nee noch de haleft freeks, än nutodids bluat noch en treeden

 

Aber dabei blieb es nicht. Immer mehr Plattdeutsche kamen ins Land und brachten das Friesische immer weiter in die Enge. Vor 25 Jahren sprach auf Langeness noch die Hälfte friesisch, und heute bloß noch ein Drittel

Hier das bekannte von Anton Heimreich 1661 in Strander Friesisch verfasste Gedicht  Miren-söngh (Morgengesang). Heimreich erlebte mit acht Jahren die Sturmflut von 1648, die seine Heimatinsel Strand in mehrere Inseln und Halligen zerriss, und war später Pastor auf Nordstrandischmoor.

1. Ik koon ee noch toonk seede,

oo, Good foon’t hämelrik,

su long as ik mööt laie

uw eereden öön de sik.

 

1. Ich kann nicht genug Dank sagen,

oh, Gott vom Himmelreich,

so lang wie ich muss verweilen

auf Erden in der Niederung.

 

2. Dat in fergiangen naacht

Du min lif, sääl än lääwen

än wat Du mii hääst jääwen,

su traulik hääst bewaachd.

 

2. Dass in vergangener Nacht

Du (mein) Leib, Seel‘ und Leben

Und was Du mir hast gegeben,

so getreulich hast bewacht.

 

3. Ik baade Dii feer alen,

jeew mii dacht o min seen‘,

de ik walen än onwalen

min lääwedeeg‘ hääw deen.

 

3. Ich bitte Dich vor allem,

vergib mir doch meine Sünd‘,

die ich willens oder unwillens

mein Lebtag hab‘ getan.

 

4. Än leet ok däling mii

jao ee (nat) öön onlik kame,

mii ok dat min ee (nat) name,

dat ik mai toonke Dii.

 

4. Und lass auch heute mir

Nur nicht ein Unglück kommen,

mir auch das meinige nicht nehmen,

dass ich mög‘ danken Dir.

 

5. Leet mii am miirn än eene

min toochte rocht dirhaane,

dat ik mii woor feer seene

än altid seet min sanen.

 

5. Lass mich am Morgen und Abend

Meine Gedanken richt‘ dorthin,

dass ich mich hüt‘ vor Sünden

und immer setz‘ mein Sinnen.

 

6. Uw Dii, dat ik elgee (altid)

mai walik düün Daan wale

Än Du mii maist öön ales

Behude eeder än lä

 

6. Auf Dich, dass ich allzeit mög‘ willig

Ausführen (tun) Deinen Willen

Und Du mich mögest in allem

Behüten früh und spät.

 

7. Leet ee (nat) aptian än kame

fjur‘ weere än gruulik win,

dat use leet ee (nat) name

di flööd, stöörm än grot rin.

 

7. Lass nicht aufziehen und kommen

Unwetter und greulichen Wind,

dass unsere lass nicht nehmen

durch (die) Flut, Sturm und großen Regen.

 

8. Behud feer frich än bröön,

feer hääleslach än snaien,

feer schälme, tiiw‘ än haien,

erhual jao jud‘ än löön.

 

8. Behüte vor Krieg und Brand,

vor Hagelschlag und Schneien

voir Schelemn, Dieben und Haien,

erhalt dich Leut* und Land,

 

9. Min hus, min hööf, min lääwen,

min gööd, min löön, än söön

än wat Du mii öörs jääwen,

wuf, beern, min frun‘ än (hiale)keen.

 

9. Mein Haus, meinen Hof, mein Leben,

mein Gut, mein Land und (meinen) Sand

und was Du mir sonst hast gegeben,

Frau, Kind, meine Freunde und Gesind‘.

 

10. Nam Du, oo Good, in aacht,

dat auer mii än dat min

di bööse giist ee fine

mai ünik waalt än maacht.

 

10. Nimm Du, oh Gott, in (Deine) acht,

dass über mich und die meinen

der böse Geist nicht finden möge

üble Gewalt und Macht.

Das Vater Unser in Halligfriesisch, geschrieben 1855:

Usen Baabe, dir Du bäst öön'e hämel.

Vater unser, der Du bist im Himmel,

halig skal weese Daan noome.

Heilig soll Dein Name sein.

Din rik kame to us.

Dein Reich komme zu uns,

Daan wale skal skee'e as öön'e hämel,

Dein Wille soll geschehen wie im Himmel

su ol uw’e eerde.

so auch auf der Erde.

Us däächlik bruad düün us däling,

Unser tägliches Brot gib uns heute,

ferjeew us us skul,

vergib uns unsere Schuld,

as wii ferjeewe us skulners.

wie wir vergeben unseren Schuldigern.

Feer us ee in ferseekung,

Führe uns nicht in Versuchung,

man erlöös us foon aal das eerig.

aber erlöse uns von all dem Bösen.

Dän Din is dat ruk, de kraft än de

Denn Dein ist das Reich, die Kraft und die

härlikhait in eewishait.

Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Amen