
Halligfriesisch:
Das Halligfriesische ist ein heute noch punktuell auf den Halligen an der Westküste Südschleswigs verbreiteter nordfriesischer Dialekt.
Nordfriesische Dialekte wurden früher von Sylt bis hinunter an die Eider gesprochen. Viele Dialekte sind jedoch inzwischen erloschen. Heute hält sich das Nordfriesische noch in Teilen des Festlandes und auf den Inseln Föhr, Amrum, Sylt und auf der Hochseeinsel Helgoland. Im Süden Nordfrieslands ist das Nordfriesische bereits verschwunden. Auch auf den Halligen ist es kaum noch präsent und wird vermutlich ebenso bald ein Ende finden. Leider gibt es kaum Bemühungen diesen Prozess umzukehren.
Erklärt werden kann diese Entwicklung mit der zunehmenden Dominanz des Hochdeutschen. Das Hochdeutsche konnte sich bereits ab Ende des Mittelalters in mehreren Domänen wie Kirche, Bildung, Handel oder Verwaltung im Süden Schleswigs durchsetzen und so regionale Varianten wie das Friesische und auch das jütländische Dänisch sukzessiv in den privaten oder familiären Raum zurückweisen.
Sprachgeschichtlich ist das Nordfriesische eine westgermanische und nordseegermanische Sprache und steht so dem Englischen, Niederländischen und Niederdeutschen nahe. Insbesondere die Dialekte im Norden Nordfrieslands weisen zudem einen starken dänischen / nordischen Einfluss aus. Neben dem Nordfriesischen gibt es heute noch das Friesische in den Niederlanden und das Ostfriesische – wobei letzteres heute kaum noch gesprochen wird. Der letzte ostfriesische Dialekt ist das im Saterland gesprochene Saterfriesisch. Bis ins 20. Jh. wurde zum Teil noch Wangerooger Friesisch gesprochen.
Innerhalb des Nordfriesischen kann zwischen den Dialekten auf den Inseln und dem Festland unterschieden werden, was mit zwei zeitlich versetzten Einwanderungswellen nach Nordfriesland im Mittelalter erklärt werden kann. Interessanterweise steht das Halligfriesische eher den Dialekten auf dem Festland näher, was eine gemeinsame Einwanderung mit den Nordfriesen des Festlandes andeutet. Hierbei ist das Halligfriesische ein Überbleibsel des früheren Strander Friesisch. Diese friesische Variante war auf der früher vermutlich mit dem Festland verbundenen Insel Strand verbreitet, ehe diese nach mehreren Sturmfluten in mehrere kleinere Inseln und Halligen zerrissen wurde.
Was macht das Halligfriesische aus?
Das Halligfriesische teilt eine gemeinsame Sprachgeschichte mit den übrigen nordfriesischen Dialekten. So hat zum Beispiel die Entwicklung vom frühen lang gesprochen i zu einem kurzen i- oder auch zu einem kurzen e- oder a-Laut in allen nordfriesischen Dialekten gleichermaßen stattgefunden. Ein Wort wie Deich heißt zum Beispiel in allen Varianten dik, Brille jeweils bral. Dennoch gibt es auch Abweichungen. So ist das Halligfriesische zwar auf der einen Seite stärker mit den Dialekten des Festlandes als mit denen der Inseln verbunden, auf der anderen Seite fehlt jedoch oft die ausgeprägte Palatisierung (Moulierung) von Konsonanten (also Konsonantenbildungen wie dj, lj, nj und tj), wie es vom Festland bekannt ist. Ein Wort wie Land, das auf dem Festland lönj heißt, heißt zum Beispiel auf Föhr lun und auf den Halligen löön. Ein anderes Beispiel wäre das Wort Vater, das auf dem Festland taatje und auf Föhr aatje, auf den Halligen aber baabe heißt.
Grammatik
Ausgehend von der von Jens Lorenzen verfassten Halligfriesischen Sprachlehre sollen im Folgenden einmal Eckpunkte der halligfriesischen Grammatik dokumentiert werden – sofern möglich im Vergleich mit dem umgebenden Deutschen, Dänischen und dem Nordfriesischen auf Föhr und dem Festland. Hierbei handelt es sich um Eckepunkte, nicht um eine vollständige Grammatik.
Artikel
Der unbestimmte Artikel ist im Halligfriesischen in allen Genera identisch.
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Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Fr. |
Festlandfr. |
Halligfr. |
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Maskulinum |
ein |
en |
en, een |
en, ån |
en |
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Femininum |
eine |
en |
en, ian |
en, iinj |
en |
|
Neutrum |
ein |
et |
en, ian |
en, iinj |
en |
Der bestimmte Artikel unterscheidet deutlich zwischen den Genera.
|
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Fr. |
Festlandfr. |
Halligfriesisch |
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Maskulinum |
der |
-en |
a, de |
e, di |
di |
|
Femininum |
die |
-en |
at, det |
e, jü |
ju |
|
Neutrum |
das |
-et |
at, det |
et, dåt |
dat |
|
Plural |
die |
-ene / -ne |
a, dön |
e, da |
de (gespr.: dä) |
Substantive
Die Mehrzahl der Substantive endet im Plural auf -e. Sie findet sich sowohl bei Substantiven im Maskulinum, Femininum und Neutrum Plural.
Bei Entlehnungen aus dem Hochdeutschen, Niederdeutschen oder Dänischen wird im Plural oft ein -s angefügt.
Zum Teil finden sich im Plural auch die Endungen -ne, -ing oder -inge.
Bei Substantiven, die im Singular auf f enden, ändert sich dieses im Plural meist zu w. Auch bei Substantiven, die im Singular auf ch enden, ändert sich dieses im Plural meist zu g. In beiden Fällen wird von einer Konsonantenerweichung gesprochen.
Bei einigen Substantiven ändert sich im Plural auch der Stammvokal.
Andere Substantiven verändern im Plural weder den Stammvokal, noch haben sie eine besondere Endung. Hier ist der Plural dann ausschließlich aus dem Artikel de und dem Zusammenhang erkennbar.
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Singular unbestimmt |
Singular bestimmt |
Plural bestimmt |
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Maskulinum |
||
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Fleck |
en plak |
di plak |
de plake |
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Laden |
en loaden |
di laoden |
de laodens |
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Brief |
en breef |
di breef |
de breewe |
|
Zweig |
en twich |
di twich |
de twige |
|
Tag |
en dai |
di dai |
de deege |
|
Bauer |
en bure |
di bure |
de bure |
|
Zahn |
en toske |
di toske |
de toske |
|
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Feminium |
||
|
Tasse |
en kop |
ju kop |
de kope |
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Tochter |
en doochter |
ju doochter |
de doochterne |
|
Farbe |
en farf |
ju farf |
de farwe |
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Woche |
en wich |
ju wich |
de wige |
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Kuh |
en ku |
ju ku |
de kii |
|
|
Neutrum |
||
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Haus |
en hus |
dat hus |
de husinge |
|
Schwank |
en dööntje |
dat dööntje |
de dööntjes |
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Messer |
en knif |
dat knif |
de kniwe |
Anders als auf den Halligen ist im nordfriesischen Dialekt der Insel Föhr die Endung auf-en am weitesten verbreitet. Aber auch die Endung auf -er findet sich. Ansonsten gleichen sich die Muster im Wesentlichen. So finden sich auch auf Föhr und dem Festland die entsprechenden Pluralendungen mit -s, die Wechsel des Stammvokales, die Konsonantenerweichungen und die Beibehaltungen der Singularform.
Kasus (Fälle)
Die Fälle sind im Nordfriesischen und somit auch im Halligfriesischen (wie in den angrenzenden skandinavischen Sprachen) stark reduziert. So gibt es in der Form keine Unterscheidung zwischen Nominativ (wer oder was), Dativ (wem) und Akkusativ (wen oder was). Allein der Genitiv (wessen) bildet im Halligfriesischen noch eine eigenständige Form mit der Umschreibung mit foon (von) aus.
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deutsch |
halligfriesisch |
|
Maskulinum Singular |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
der/den/dem Mann |
di moon |
|
Genitiv |
des Mannes |
foon di moon |
|
Maskulinum Plural |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
die/den/den Männern |
de moone |
|
Genitiv |
der Männer |
foon de moone |
|
Feminium Singular |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
die/die/der Frau |
ju wuf |
|
Genitiv |
der Frau |
foon ju wuf |
|
Feminium Plural |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
die/die/den Frauen |
de wufe |
|
Genitiv |
der Frauen |
foon de wufe |
|
Neutrum Singular |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
das/das/dem Kind |
dat beern |
|
Genitiv |
des Kindes |
foon dat beern |
|
Neutrum Plural |
|
|
|
Nom. / Akk. / Dat. |
die/die Kinder, den Kindern |
de beerne |
|
Genitiv |
der Kinder |
foon de beerne |
Im Föhrer Friesisch findet sich für den Genetiv ebenfalls die Umschreibung mit von (im Föhrer Friesich als faan). Ein Beispiel ist de frinj faan Maike (der Freund von Maike → Maikes Freund). Wenn der Besitzer ein Mensch ist, ist auch die Konstruktion mit einem Possessivpronomen möglich (wie auch im Angeldänischen). Ein Beispiel ist: Maike san frinj (Maike ihr Freund → Maikes Freund). In einigen Fällen wird im Föhrer Friesisch auch noch die Endung -s verwendet. Ein Beispiel wäre uun Gods nööm (in Gottes Namen).
Gleiches Muster findet sich im Nordfriesischen des Festlandes. So kann es heißen da böke voon Petern (Die Bücher von Peter → Peters Bücher) oder auch Peter sin böke (Peter seine Bücher → Peters Bücher).
Adjektive
Prädikative und adverbiale Adjektive bleiben im Nordfriesischen (wie z. B. auch im Gutamål) unverändert. Beispiele aus dem Halligfriesischen sind:
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deutsch |
halligfriesisch |
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groß |
grot |
|
klein |
lidj |
|
hoch |
huuch |
|
niedrig |
leech |
|
alt |
ual |
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jung |
jong |
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gut |
gööd |
|
schlecht |
schocht |
|
reich |
rik |
|
arm |
eerm |
Adjektive, die in Verbindung mit einem Substantiv stehen (also attributiv verwendete Adjektive) werden auf Föhr und dem Festland im Maskulinum mit der Endung -en dekliniert.
Komparation
Die Adjektive werden im Halligfriesischen mit den Endungen -er (im Komparativ) und -st (im Superlativ) gesteigert. Dies gleicht dem Muster in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und auf dem Festland.
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Positiv |
Komparativ |
Superlativ |
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|
regelmäßig |
||
|
groß |
grot |
groter |
größt |
|
klein |
lidj |
lidjer |
lidjst |
|
reich |
rik |
riker |
rikst |
|
|
unregelmäßg |
||
|
alt |
ual |
aoler |
aolst |
|
gern |
haol |
liawer |
liawst |
|
viel |
fole |
mor |
maost |
Personalpronomen
Bei den Personalpronomen kann zwischen Subjekt- und Objektpronomen unterschieden werden. Subjektpronomen stehen anstelle eines Subjekts (also im Nominativ). Objektpronomen stehen anstelle eines Objekts (also im Akkusativ oder Dativ). Anders als im Deutschen sind im Nordfriesischen (wie auch in den skandinavischen Sprachen wie dem Gutamål) Akkusativ und Dativ zusammengefallen, bilden also eine gemeinsame Form.
Neben dem Singular und Plural gab es im Halligfriesischen bis ins 20. Jh noch den Dual. Im Föhrer Friesisch finden sich die Formen für den Dual noch. Für die Subjektpronomen lautet er wat (wir beide) und jat (ihr beide) und bei den Objektpronomen onk (uns beide) und jonk (euch beide). Wesentlich seltener wird der Dual auf dem Festland verwendet. Hier lautet er bei den Subjektpronomen ebenfalls wat (wir beide) und jat (ihr beide) und bei den Objektpronomen unk (uns beide) und junk (euch beide).
Personalpronomen (Subjektpronomen)
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Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
Singular |
ich |
jeg |
ik (‘k) |
ik (‘k) |
ik |
|
du |
du |
dü |
dü |
du |
|
|
er |
han |
hi (‘r) |
hi (‘r) |
hii |
|
|
sie |
hun |
hat (‘t), jü |
jü (‘s) |
ju |
|
|
es |
det |
at (‘t), hat |
et (‘t) |
dat |
|
|
Plural |
wir |
vi |
wi (‘f) |
we |
wii |
|
ihr |
I |
jam (‘m) |
jam (‘m) |
jam |
|
|
sie |
de |
jo (‘s) |
ja (‘s) |
jä |
Im Föhrer Friesisch lauteten die Personalpronomen in der 3. Person Singular früher hi (er), jü (sie) und hat (es) – und entsprachen so den übrigen nordfriesischen Dialekten. Ab dem 19. Jh. wurde jedoch jü zunehmend durch hat abgelöst.
Personalpronomen (Objektpronomen)
Im Nordfriesischen wird bei den Objektpronomen nicht zwischen Akkusativ und Dativ unterschieden (ebenso wie im Englischen, Niederdeutschen und in den nordischen Sprachen wie dem Dänischen und Gutamål).
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|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
Singular |
mir, mich |
mig |
mi |
me |
mii |
|
dir, dich |
dig |
di |
de |
dii |
|
|
ihm, ihn |
ham |
ham (‘n) |
ham (‘n) |
ham |
|
|
ihr, sie |
hende |
ham (‘t) |
har (‘s) |
här |
|
|
ihm, es |
den, det |
at (‘t) |
et (‘t) |
dat |
|
|
Plural |
uns |
os |
üs (‘s) |
üs, üüs |
us |
|
euch |
jer |
jam |
jam |
jam |
|
|
ihnen, sie |
dem |
jo (‘s) |
jam, ja (‘s) |
jam |
Possessivpronomen
Possessivpronomen drücken Besitz oder Beziehungen aus (also wem oder was etwas gehört).
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Deutsch |
Dänisch |
Halligfriesisch |
||
|
|
|
Maskulinum |
Femininum |
Neutrum |
|
meine(e) |
min, mit, mine |
maan |
min |
min |
|
dein(e) |
din, dit, dine |
daan |
din |
din |
|
sein(e) |
hans, sin, sine |
saan |
sin |
sin |
|
ihr(e) |
hendes, sin, sine |
härn |
här |
här |
|
sein(e) |
dens, dets |
saan |
sin |
sin |
|
unser(e) |
vores |
usen |
us |
us |
|
euer/eure |
jeres |
jaan |
jaar |
jaar |
|
ihr(e) |
deres |
jääre |
jääre |
jääre |
Das Halligfriesische gleicht hier grob den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland. Wobei kleinere Abweichungen bestehen. So heißt es zum Beispiel auf Föhr (Fering) und dem Festland (Mooring) in der ersten, zweiten und dritten Person Singular man, dan und san statt maan, daan und saan. In der ersten Person Plural heißt es auf Föhr üüs und auf dem Festland üüsen statt usen auf den Halligen. In der zweiten Person Plural heißt es auf Föhr jau und auf dem Festland jarnge statt jaan und jaar auf den Halligen.
Reflexivpronomen
Reflexivpronomen beziehen sich immer auf das Subjekt eines Satzes und stimmen mit ihm bei Numerus und Person überein. Mit Ausnahme der dritten Person Singluar (ham) entsprechen die Reflexivpronomen immer denen der Objektpronomen.
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Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
mir, mich |
mig |
mi |
me |
mii |
|
dir, dich |
dig |
di |
de |
dii |
|
sich (mask.) |
sig |
ham |
ham |
ham |
|
sich (fem.) |
sig |
ham |
har |
här |
|
sich (neutr.) |
sig |
ham |
ham |
ham |
|
uns |
os |
üs |
üs, üüs |
us |
|
euch |
jer |
jam |
jam |
jam |
|
sich |
sig |
jo |
jam, ja |
jam |
Umgangssprachlich wird in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland für die 3. Person Singular und Plural auch sik verwendet.
Neben den Reflexivpronomen bestehen noch die Reziprokpronomen, um eine Wechselseitigkeit auszudrücken (also im Deutschen: einander und im Dänischen: hinanden, hverandre). Dies sind auf Föhr enöler bzw.arköler und auf dem Festland enouder.
Relativpronomen
Am häufigsten wird im Halligfriesischen das Relativpronomen wat verwendet. Das Relativpronomen ist unveränderlich - zeigt also weder Genus (Geschlecht), Numerus (Anzahl) noch Kasus (Fälle) an, wird also in allen Fällen (Nominativ, Akkusativ und Dativ) verwendet.
Daneben können auch die Artikel di, ju und dat als Relativpronomen genutzt werden.
Auch in den nordfriesischen Dialekten auf Föhr und dem Festland ist wat am weitesten verbreitet. Daneben findet auch das ältere diar (Föhrer Friesisch) bzw. deer (festlandfriesisch) Anwendung. Bei einem örtlichen oder zeitlichen Zusammenhang kann auch weer (wo) verwendet werden.
Demonstrativpronomen
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Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
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dieser |
denne |
deheer, dediar, desalew |
diheere, dideere, diseelwe, diseelwie |
di, dihire, didire |
|
diese |
denne |
detheer, dethiar, detsalwer |
jüheer, jüdeer, jüseelew, jüdeelwi |
ju, juhir, judir |
|
dieses |
dette |
detheer, dethiar, detsalwer |
dåtheer, dåtdeer, dåtseelew, dåtseelwi |
dat, dathir, datdir |
|
diese |
disse |
|
-e |
de, dehire, dedire |
Im Halligfriesischen entsprechen die Demonstrativpronomen den Artikeln. Neben den Grundformen di, ju und dat gibt es jedoch noch zwei verstärkende Formen, die sich aus dem Artikel und den Endungen -dir(e) (da, dort) und -hir(e) (hier) zusammensetzen.
Das Muster gleich dem der nordfriesischen Dialekte auf Föhr und dem Festland. Eine weitere Möglichkeit ist die Bildung mit einer Form von -salew (Föhrer Friesisch) bzw. -seelew (Festlandfriesisch), was beides selbst bedeutet. Im Föhrer Friesisch gibt es zudem die Ausnahme, dass die Formen für das Neutrum mit denen für das Femininum zusammenfallen.
Indefinitpronomen (unbestimmte Pronomen)
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Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
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einer |
én |
een, eener |
|
|
|
man |
man |
ham (‘am,‘m) |
huum, följk |
huum |
|
jemand |
nogen |
hoker |
|
hook |
|
niemand |
ingen |
neemen |
niimen(s) |
niamen |
|
jedermann |
enhver |
arkeneen, alemaan |
|
arken |
|
jeder |
enhver |
arke, arkes, arken |
|
arken |
|
jede |
enhver |
arke, arkes, arken |
|
ark |
|
jedes |
enhver |
arke, arkes, arken |
|
ark |
|
nichts
|
intet, ingenting |
nant, niks |
ninte, niks |
niks |
|
etwas |
noget |
wat |
wat |
wat |
|
manche |
mange, nogle |
|
|
wäning, aam |
|
viel |
meget |
|
|
fole |
Fragepronomen
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
wer |
hvem |
hoker |
huum |
hook |
|
wessen |
hvis |
hoker san / sin / sinen |
huums(en) |
foon huum |
|
wem |
hvem |
hoker |
huum |
huum |
|
wen |
hvem |
hoker |
huum |
huum |
|
was, welcher |
hvilken |
wat |
wat, huken |
wat fir aon |
|
was, welche |
hvilket |
wat |
wat, huken |
wat fir ian |
|
was, welches |
hvilke |
wat |
wat, huken |
wat fir ian |
Verben
Verben drücken eine Handlung oder ein Geschehen aus und stehen im Satz als Prädikate. Sie werden in Hinblick auf Person, Numerus (Anzahl), Tempus (Zeit) und Modus konjugiert.
Nachfolgend ein Beispiel für die regelmäßige Konjugation:
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(zu) spielen |
|
|
|
|
|
Präsens |
Präteritum |
Perfekt |
Plusquamperfekt |
|
|
ich spiele |
ik späl |
ik späld |
ik hääw späld |
ik hee späld |
|
du spielst |
du spälst |
du spälsd |
du hääst späld |
du heest späld |
|
er spielt |
hii spält |
hii späld |
hii heet späld |
hii hee späld |
|
sie spielt |
ju spält |
ju späld |
ju heet späld |
ju hee späld |
|
es spielt |
dat spält |
dat späld |
dat heet späld |
dat hee späld |
|
wir spielen |
wii späle |
wii spälden |
wii hääwe späld |
wii heen späld |
|
ihr spielt |
jam späle |
jam spälden |
jam hääwe späld |
jam heen späld |
|
sie spielen |
jam späle |
jä spälden |
jä hääwe späld |
jä heen späld |
|
Futur I |
Futur II |
|
ik ward späle |
ik ward späled heewe |
|
du wardst späe |
du wardst späled heewe |
|
hii ward späle |
hii ward späled heewe |
|
ju ward späle |
ju ward späled heewe |
|
dat ward späle |
dat ward späled heewe |
|
wii warde späe |
wii warde späled heewe |
|
jam warde späe |
jam warde späled heewe |
|
jä warde späe |
jä warde späled heewe |
Auch im nordfriesischen Dialekt des Festlandes wird im Präsens in der 2. Person Singular ein -st, in der 2. Person Singular ein -t und im Plural ein-e angefügt
Nachfolgend noch ein Beispiel für eine unregelmäßige Konjugation:
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(zu) schießen |
|
|
|
|
|
Präsens |
Präteritum |
Perfekt |
Plusquamperfekt |
|
|
ich schieße |
ik skiit |
ik skuat |
ik hääw skääden |
ik hee skääden |
|
du schießt |
du skotst |
du skuatst |
du hääst skääden |
du heest skääden |
|
er schießt |
hii skot |
hii skuat |
hii heet skääden |
hii hee skääden |
|
sie schießt |
ju skot |
ju skuat |
ju heet s skääden |
ju hee skääden |
|
es schießt |
dat skot |
dat skuat |
dat heet skääden |
dat hee skääden |
|
wir schießen |
wii skiite |
wii skuaten |
wii hääwe skääden |
wii heen skääden |
|
ihr schießt |
jam skiite |
jam skuaten |
jam hääwe skääden |
jam heen skääden |
|
sie schießen |
jä skiite |
jä skuaten |
jä hääwe skääden |
jä heen skääden |
|
Futur I |
Futur II |
|
ik ward späle |
ik ward skääden heewe |
|
du wardst späe |
du wardst skääden heewe |
|
hii ward späle |
hii ward s skääden heewe |
|
ju ward späle |
ju ward skääden heewe |
|
dat ward späle |
dat ward skääden heewe |
|
wii warde späe |
wii warde skääden heewe |
|
jam warde späe |
jam warde skääden heewe |
|
jä warde späe |
jä warde skääden heewe |
Konjunktionen
Nachfolgend einzelne Beispiele für Konjunktionen im Halligfriesischen. Konjunktionen sind Bindewörter, die einzelne Wörter, Wortgruppen oder ganze Sätze miteinander verbinden oder verknüpfen. Sie können nebenordnend oder unterordnend sein. Unterordnende Konjunktionen (Subjunktionen) leiten einen Nebensatz ein, sie ordnen einen Nebensatz also einem Hauptsatz unter.
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
nebenordnend |
||||
|
aber |
men |
man, oober |
ouers, aaber |
man |
|
auch |
også |
uk |
uk |
ok |
|
denn |
for |
dan |
dan |
dän |
|
doch |
dog, men |
dach |
duch |
dach |
|
und |
og |
an |
än |
än |
|
oder |
eller |
of |
unti, ooder |
ooder, eder |
|
sondern |
men |
man |
ouers |
man |
|
unterordnend (Subjunktion) |
||||
|
als |
da |
üüs |
as |
as |
|
dass |
at |
dat, det |
dåt |
dat |
|
ehe, bevor |
før, inden |
iar, beföör, föör dat |
befor, iir, iirdät |
befeer |
|
gleichwohl |
skønt, til trods for at |
alikwel, likwell, like(r)s |
likefoole |
likefole |
|
obwohl |
selvom |
uk wan‘t |
åldåt, hüwälj |
|
|
sobald |
så snart, så snart som |
so bal, so gau |
sü bål |
subale |
|
sowie |
samt |
an uk |
sü as |
su as |
|
weil |
fordi |
auer |
ouer(dåt), amdåt |
auer dat |
|
wie |
som, hvordan |
üüs |
hü |
as |
|
wenn |
når, hvis |
wan |
wan |
wän |
|
wo |
hvor |
huar |
weer |
wir |
|
ob |
om |
of, wer |
weer |
|
|
seit |
siden, siden at |
sant |
sunt |
|
|
bis |
indtil |
bit |
bit, tu |
|
Adverbien
Adverbien (Umstandswörter) sind unveränderliche Wörter in einem Satz, die die näheren Umstände einer Handlung oder eines Zustands beschreiben - also wann, wo, wie oder warum etwas geschieht.
Es gibt Adverbien des Ortes, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes.
|
lokal (Ort oder Richtung) |
||||
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
da, dort |
der |
diar |
deer |
dir |
|
darin |
deri, derinde |
diaruun |
deerönj |
diirin |
|
darauf |
derpå |
diarüüb |
deeraw |
dirap |
|
darunter |
derunder |
diaroner |
deeruner |
dironer |
|
dazwischen (in der Mitte von) |
imellem, derimellem |
auermad |
deertwasche |
dirtwaske |
|
dazwischen (unter anderem) |
deriblandt |
|
deermade |
dirmaade |
|
dorthin |
derhen |
diarhen |
deerhane |
dirhaane |
|
draußen |
ude, ud |
bütjen |
üte, büte, bütefor |
bute |
|
drinnen |
inde, ind |
banen, ban |
bane, baneönj |
baane |
|
her |
her |
juart |
jurt |
huurte |
|
herunter, hinunter |
ned, nedenunder |
deel |
dil, dilam |
dääl |
|
hin |
hen |
am |
haane |
haane |
|
hinauf |
op |
henap |
ap |
ap |
|
hin und her |
frem og tilbage |
jant an juart |
jant än jurt |
haan än huurte |
|
hinten |
bagved |
beeft, selten: bäächt |
ääder |
äädern |
|
nach |
til, mod |
efter, tu |
eefter |
eefter |
|
nach oben |
op, opad |
apbop, amhuuch, apboowen |
eefter boowen |
eefter bääben |
|
nach unten |
ned, nedad |
deelwarts |
eefter dele |
eefter deelen |
|
neben |
ved siden af |
bi |
Iinj, näisi, bai |
bai |
|
nebenher |
ved siden af, sideløbende |
bitu |
tubai |
tobai |
|
nirgends |
ingen steder |
nochhuaren |
nargens, nargne |
näärngs |
|
überall |
overalt, alle vegne |
aueraal, alerweegen |
oueråål, alerwäägen |
aueraol |
|
umher |
(rundt) omkring |
ambi |
ambai |
ambai |
|
unten |
nede, ned |
oner, deel |
deele |
deele |
|
unterwegs |
undervejs |
onerwai, onerwais |
unerwäis, tuwäis |
onerwai |
|
vor |
foran |
föör |
for |
feer |
|
voraus |
forud, foran |
föörütj, fööruf |
foreüt, forüt |
feerut |
|
vorbei |
forbi |
föörbi |
forbai |
feerbei |
|
vorne |
foran, forrest |
föör |
foore |
foore |
|
vorwärts, voran |
frem, fremad |
föörütj |
foram |
feeröön |
|
weg, fort |
væk, borte |
wech |
wach |
wäch |
|
wo |
hvor |
huar |
weer |
wir |
|
worin |
hvori |
huaruun |
weerönj |
wirin |
|
zurück |
tilbage |
turag |
tubääg |
tobääch |
|
temporal (Zeit) |
||||
|
bald |
snart |
bal |
bål |
bale |
|
dann |
så, derefter |
do, dan |
dan |
dän |
|
einst |
engang |
iartidjs, ians, ens |
iinjsen, iirtids |
Iir, iirmaols |
|
früh |
tidlig, tidligt |
ääder |
eeder, tidi |
eeder |
|
früher, vorzeiten |
tidligere, i fordums tid |
iar |
iir |
iir |
|
gestern |
i går |
jister |
anjörsne |
jostern |
|
gestern morgen |
i går morges |
jister maaren |
anjörsne mjarn |
Jostern miarn |
|
gleich, sofort |
med det samme, straks |
jister inj, jinstrinj |
glik(s), straks, matiinjs |
glik |
|
heute |
i dag |
daaling |
diling |
dälling |
|
heute morgen |
i morges |
maarling, jimaaren |
mårling |
moorling |
|
heute abend |
i aften |
iljing |
eeling |
eeling |
|
immer |
altid |
altidj, altidjs, immer, aleewen, leewen |
ålten(s), åltid(s) |
jumer |
|
immer noch |
stadig, stadigvæk |
aleewen |
ålten(s), åltid(s) |
jumer noch |
|
in diesem Jahr |
i år |
juarling |
jarling, iirling |
iirling |
|
jahrelang |
i årevis |
juarenloong, juarloong |
iirngelung |
iirngelong |
|
jährlich |
årligt, hvert år |
juarelk, juarelks |
jarlik, iirlik |
ark iir |
|
lange |
længe |
loong |
lung |
long |
|
manchmal |
nogle gange, sommetider |
wilems, wilem |
wilems, baischöre, samtids |
wilms |
|
mitunter |
indimellem, undertiden |
wilems, wilem |
wilems, samtids, unerma |
medoner |
|
morgen |
i morgen |
maaren |
mjarne |
miarn |
|
morgen früh |
i morgen tidlig |
ääder de maaren, ääder maarens |
mjarneeder |
miarn eeder |
|
morgen abend |
i morgen aften |
maaren inj |
mjarneene |
miarn eene |
|
niemals |
aldrig |
nimer, oler, aler |
uler |
numer |
|
nun, jetzt |
nu |
nü |
nü |
nu |
|
oft |
ofte |
fölse, fölsis |
oofting, ooftem, ooft |
foltonge, ooft |
|
rechtzeitig |
i tide, til tiden |
tutidj, tutidjs, tupaas |
betid(s), baitide |
betids |
|
schon |
allerede |
al |
ål |
al |
|
soeben |
lige, netop |
jüst, eewenst |
jüst äiwen |
just |
|
spät |
sent |
leed |
lääs |
lää |
|
übermorgen |
i overmorgen |
auermaaren |
ouremjarne |
auermiarn |
|
vorgestern |
i forgårs |
iarjister |
iirjörsne |
iirjostern |
|
zuweilen |
lejlighedsvis, undertiden |
bi tidjen, wilems |
wilems, baischöre |
biskurns |
|
modal (Art und Weise) |
||||
|
beinahe, fast |
næsten, næppe |
bal, binai, naistenbi, miast (eigentlich: meist) |
bål, mååst, bainäi |
maostto |
|
bloß, nur |
kun, bare |
bluat, man |
bloot(s), män |
bluat |
|
entzwei |
i stykker, itu |
uunstaken, uuntau |
önjstöög(e) |
instuge |
|
ganz und gar |
fuldstændig, ganske |
hialandaal |
gåns än goor |
gans än goor |
|
gern |
gerne |
hal, giarn |
hål |
haol |
|
gewiß, sicher |
vist, sikkert, bestemt |
was |
sääker |
sääker |
|
glimpflich |
nådigt, billigt |
üüb’t best |
lamplik |
mä nau nuad |
|
kaum |
næppe, knap nok |
knaap |
knååp |
knaap |
|
nicht |
ikke |
ei |
ai |
ee |
|
so |
så, sådan |
si |
sü, süng, südänji |
su, sudeneeni |
|
ungefähr
|
cirka, omtrent, nogenlunde |
amtrent, amentrent, amanbi, üngefeer |
üngefäär, ambai, amenbai, amentränt, trinam |
su bomeli, trinambai |
|
vergebens, vergeblich |
forgæves |
amsonst |
ferjääws, amensunst, amninte |
amsonst |
|
vielleicht |
måske |
ferlicht |
flicht |
flicht, saacht |
|
wahrscheinlich |
sandsynligvis |
wel, woorskiinelk, was |
wälj, wårschiinjlik, was |
was, woorskiinlik |
|
wohl |
vel, nok |
wel |
wälj |
wil |
|
ziemlich |
temmelig, ganske |
temelk, al, alwat |
bili |
täämlik |
|
kausal (Grund) |
||||
|
darum, deshalb |
derfor |
diaram, diarauer |
deeram, deerouer |
diram |
Zahlen
|
Kardinalzahlen (Grundzahlen) |
||||
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
eins |
en, et |
ian |
iinj |
ian |
|
ein (Mask.) |
en |
een |
ån |
aon |
|
eine (Fem.) |
en |
ian |
Iinj |
ian |
|
ein (Neutr.) |
et |
|
iinj |
|
|
zwei |
to |
tau, taw |
tou |
taue |
|
zwei (Mask.) |
to |
|
twäär |
tweer |
|
zwei (Fem.) |
to |
|
tou |
twaane |
|
zwei (Neutr.) |
to |
|
tou |
|
|
drei |
tre |
trii |
trii |
tree‘e |
|
drei (Mask.) |
tre |
|
tra |
traane |
|
drei (Fem.) |
tre |
|
trii |
traane |
|
drei (neutr.) |
tre |
|
trii |
|
|
vier |
fire |
fjauer, fjawer |
fjouer |
fjauer |
|
fünf |
fem |
fiiw |
fiiw |
fiiw |
|
sechs |
seks |
seeks, sääks |
seeks |
seeks |
|
sieben |
syv |
sööwen |
soowen |
sääben |
|
acht |
otte |
aacht |
oocht |
aacht |
|
neun |
ni |
njüügen, njügen |
nüügen |
njugen |
|
zehn |
ti |
tjiin |
tiin |
tiin |
|
elf |
elleve |
elwen |
alwen |
älef |
|
zwölf |
tolv |
twaalew |
tweelwen, tweelew |
twälef |
|
dreizehn |
tretten |
tretanj, tretaanj |
tratäin |
trotään |
|
vierzehn |
fjorten |
fjauertanj, fjawertaanj |
fjouertäin |
fjauertään |
|
fünfzehn |
femten |
füftanj, füftaanj |
füftäin |
fuftään |
|
sechszehn |
seksten |
sekstanj, sekstaanj |
seekstäin |
seekstään |
|
siebenzehn |
sytten |
sööwentanj, sööwentaanj |
soowentäin |
sääbentään |
|
achtzehn |
atten |
aagetanj, ochtaanj |
oochtäin |
aachttään |
|
neunzehn |
nitten |
njüügentanj, njügentaanj |
nüügentäin |
njugentään |
|
zwanzig |
tyve |
twuntig |
twunti |
twonti |
|
einundzwanzig |
enogtyve |
ianantwuntig |
iinjäntwunti |
ianäntwonti |
|
vierundzwanzig |
toogtyve |
tauantwuntig |
touäntwunti |
tauäntwonti |
|
|
||||
|
dreißig |
tredive |
dörtig, dortig |
dörti, dorti |
dorti |
|
vierzig |
fyrre |
fiartig, firtig |
fäärti, fjarti |
fiirdi |
|
fünfzig |
halvtreds |
föftig, feftig |
füfti |
fufti |
|
sechzig |
tres |
söstig |
süsti |
susti |
|
siebzig |
halvfjerds |
sööwentig |
soowenti |
säämti, söömti |
|
achtzig |
firs |
tachentig |
tachenti |
tachendi |
|
neunzig |
halvfems |
neegentig |
näägenti |
näängdi |
|
hundert |
hundrede |
hunert |
hunert |
honert |
|
tausend |
tusend |
düüsen |
duusend |
duusend |
Ordinalzahlen
Die Ordinalzahlen werden im Halligfriesischen in der Regel über die Anfügung eines -d oder -st an die Kardinalzahlen (Grundzahlen) gebildet, wobei im Maskulinum noch ein -e angefügt wird.
So heißen der erste und der zwanzigste jeweils di iaste und di twontiste. Im Femininum und Neutrum fehlt das abschließende -e und es heißt entsprechend ju iast oder dat twontistv.
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
erste(r) |
første |
iarst |
iarst(e) |
iarst(e) |
|
zweite(r) |
anden/andet |
naist/öler, naust/ööder |
tweed(e), ouder(e), lääder(e) |
tweed(e) |
|
dritte(r) |
tredje |
traad |
treed(e) |
treed(e) |
|
vierte(r) |
fjerde |
fjuard, fift |
fiird(e) |
fiird(e) |
|
fünfte(r) |
femte |
füft |
füft(e) |
fufd(e) |
|
sechste(r) |
sjette |
seekst, sääkst |
seekst(e) |
seeksd(e) |
|
siebte(r) |
syvende |
sööwenst, söwenst |
soowenst(e) |
sääbend(e) |
|
achte(r) |
ottende |
aachst, ochst |
oochst(e) |
aachtd(e) |
|
neunte(r) |
niende |
njüügenst, njügenst |
nüügenst(e) |
njugend(e) |
|
zehnte(r) |
tiende |
tjiinst |
tiinst(e) |
tiind(e) |
|
elfte(r) |
ellevte |
elwenst |
alwenst(e) |
|
|
zwölfte(r) |
tolvte |
twaalewst |
tweelest(e) |
|
|
dreizehnte(r) |
trettende |
tretanjst, tratanjst |
tratäinst(e) |
trotäänd |
|
vierzehnte(r) |
fjortende |
fjauertanjst, fjawertaanjst |
fjouertäinst(e) |
fjauertäänd |
|
fünfzehnte(r) |
femtende |
füftanjst, fiftaanjst |
füftäinst(e) |
fuftäänd |
|
sechszehnte(r) |
sekstende |
sekstanjst, sekstaanjst |
seekstäinst(e) |
seekstäänd |
|
siebzehnte(r) |
syttende |
sööwentanjst, söwentaanjst |
soowentäinst(e) |
sääbentäänd |
|
achtzehnte(r) |
attende |
aagetanjst, oochtaanjst |
oochtäinst(e) |
aachttäänd |
|
neunzehnte(r) |
nittende |
njüügentanjst, njügentaanjst |
nüügentäinst(e) |
njugentäänd |
|
zwanzigste(r) |
tyvende |
twuntigst |
twuntist(e) |
twontist(e) |
|
dreißigste(r) |
tredivte |
dörtigst |
dortist(e) |
dortist(e) |
|
vierzigste(r) |
fyrrende |
fiartigst, firtigst |
fäärtist(e) |
fiirdist(e) |
|
fünfzigste(r) |
halvtredsende |
föftigst, feftigst |
füftist(e) |
fuftist(e) |
|
sechzigste(r) |
tressende |
söstigst |
süstist(e) |
sustist(e) |
|
siebzigste(r) |
halvfjerdsende |
sööwentigst |
soowentist(e) |
söömtist(e) |
|
achtzigste(r) |
firsende |
tachentigst |
tachentist(e) |
|
|
neunzigste(r) |
halvfemsende |
neegentigst |
näägentist(e) |
|
|
hundertste(r) |
hundrede |
hunertst |
hunertst(e) |
|
|
tausendste(r) |
tusinde |
düüsenst |
duusenest(e) |
|
Multiplikativa (Widerholungszahlen)
|
Deutsch |
Dänisch |
Föhrer Friesisch (Fering) |
Festlandfriesisch (Mooring) |
Halligfriesisch |
|
einmal |
én gang |
iansis, ianse |
Iinjsen, iinjtooch |
iantoch |
|
zweimal |
to gange |
tweisis, tweise |
twaie, tou tooche/tunge |
twaiauer |
|
dreimal |
tre gange |
triisis, triise |
traie, trii toche/tunge |
tretonge, traiauer |
|
viermal |
fire gange |
fjauersis, fjawerse |
fjouer tooche/tunge |
fjauertonge |
|
fünfmal |
fem gange |
fiiwsis, fiiwse |
fiiw tooche/tunge |
fiiwtonge |
Ergänzend heißen keinmal, immer und niemals im Halligfriesischen niantoch, jumer und numer.
Im Folgenden noch einige kurze Texte auf Halligfriesisch.
|
Halligfriesisch |
Deutsch |
|
Nachfolgend Aufzeichnungen von 1938 zum Zustand der friesischen Sprache auf der Hallig Langeness von Haye Hinrichsen. Hinrichsen war ein auf der Hallig Langeness lebender friesischer Autor und Chronist. |
|
|
Feer riklik honert iir jööw’t ue’e Nees bluat noch ian spreek: Freesk. Maan baabe heet mii fertäld, dat Volkert Tadsen sin mäm Aane Margrethe, tolaid Jürgensen, foon Pelweerm as ju iarst plaottutsk wuf hir tolööns kumen is. Dat waos suwat am 1820. Uw Pelweerm kunen’s to ju tid aal ee mor freesk snaake. De halijude kune bii’es, freesk än plaottutsk, än su sprööken’s aaltmaol mä Broder Melf Tadsen sin wuf plaottutsk, wat fir änkelte Neesjude flicht gor ee su lacht waos.
|
Vor etwa (reichlich) 100 Jahren gab es auf Langeness nur eine Sprache: Friesisch. Mein Vater hat mir erzählt, dass Volkert Tadsens Mutter Anna Margaretha, geb. Jürgensen, von Pellworm als die erste plattdeutsche Frau hier ins Land gekommen ist. Das war so um 1280. Auf Pellworm konnte man zu der Zeit schon nicht mehr friesisch sprechen. Die Halligleite können beides, friesisch und plattdeutsch, und so sprachen sie alle mit Broder Melf Tadsens Frau plattdeutsch, was für einzelne Langenesser Leute vielleicht gar nicht so leicht gewesen war. |
|
De seeks beerne, de in dat plaottusk hus uw Kädelsweerw apwuksen, wurden in ju fraamd spreek grot. Traane foon jam, aon sen än taue doochterne befraiden jam uw’e Nees, än su waos ju freesk spreek aal ut tree’e husinge utsmääden. Foon Broder än Aane Tadsen järe beernsbeerne wurden aachttään uw’e Nees tolaid. De maoste sän eefter butlööns troken. Nu won’r noch taue beernsbeerne än taue beernsbeernsbeerne uw’et löön, än de häw naturlik dat plaottutsk as husspreek.
|
Die sechs Kinder, die in dem plattdeutschen Hause auf der Ketelswarft aufwuchsen, wurden in der fremden Sprache groß. Drei von ihnen, ein Sohn und zwei Töchter, verheirateten sich auf Lengeness, und so war die friesische Sprache schon aus drei Häusern hinausgeworfen. Von Broder und Anna Tadsen Kindeskindern wurden 18 auf Langeness geboren. Die meisten sind nach auswärts gezogen. Jetzt wohnen dort noch zwei Kindeskinder (Enkel) und zwei Urenkel, und die haben natürlich das Plattdeutsche als Haussprache. |
|
Suwat am aachttäänhonertsöömti kumen tweer Strööninger, aon Pelweermer än aon Eiderstädter eefter de nee, fraiden freeske foomens än wurden halibure. De Strööninger än de Eiderstädter kunen to ju tid ok nian freesk mor. Arken moost mä jam plaottutsk snaake, än su waos feer söömti iir haan am bai de fiirede dial foon de Neesjude plaottutsk wurden.
|
Um 1870 kamen zwei Nordstrander, ein Pellwormer und ein Eiderstedter nach Langeness, heirateten friesische Mädchen und wurden Halligbauern. Die Nordstrander und Eiderstedter konnten damals auch kein Friesisch mehr. Jeder musste mit ihnen Plattdeutsch sprechen, und so war vor 70 Jahren etwas der vierte Teil der Langenesser Bevölkerung plattdeutsch geworden. |
|
Man dirbai bliaf’t ee. Jumer mor plaottutske kumen tolööns än broochten dat freesk armen wider in’e knip. Feer 25 (fiiwäntwonti) iir spröök uw’e Nee noch de haleft freeks, än nutodids bluat noch en treeden
|
Aber dabei blieb es nicht. Immer mehr Plattdeutsche kamen ins Land und brachten das Friesische immer weiter in die Enge. Vor 25 Jahren sprach auf Langeness noch die Hälfte friesisch, und heute bloß noch ein Drittel |
|
Hier das bekannte von Anton Heimreich 1661 in Strander Friesisch verfasste Gedicht Miren-söngh (Morgengesang). Heimreich erlebte mit acht Jahren die Sturmflut von 1648, die seine Heimatinsel Strand in mehrere Inseln und Halligen zerriss, und war später Pastor auf Nordstrandischmoor. |
|
|
1. Ik koon ee noch toonk seede, oo, Good foon’t hämelrik, su long as ik mööt laie uw eereden öön de sik.
|
1. Ich kann nicht genug Dank sagen, oh, Gott vom Himmelreich, so lang wie ich muss verweilen auf Erden in der Niederung.
|
|
2. Dat in fergiangen naacht Du min lif, sääl än lääwen än wat Du mii hääst jääwen, su traulik hääst bewaachd.
|
2. Dass in vergangener Nacht Du (mein) Leib, Seel‘ und Leben Und was Du mir hast gegeben, so getreulich hast bewacht.
|
|
3. Ik baade Dii feer alen, jeew mii dacht o min seen‘, de ik walen än onwalen min lääwedeeg‘ hääw deen.
|
3. Ich bitte Dich vor allem, vergib mir doch meine Sünd‘, die ich willens oder unwillens mein Lebtag hab‘ getan.
|
|
4. Än leet ok däling mii jao ee (nat) öön onlik kame, mii ok dat min ee (nat) name, dat ik mai toonke Dii.
|
4. Und lass auch heute mir Nur nicht ein Unglück kommen, mir auch das meinige nicht nehmen, dass ich mög‘ danken Dir.
|
|
5. Leet mii am miirn än eene min toochte rocht dirhaane, dat ik mii woor feer seene än altid seet min sanen.
|
5. Lass mich am Morgen und Abend Meine Gedanken richt‘ dorthin, dass ich mich hüt‘ vor Sünden und immer setz‘ mein Sinnen.
|
|
6. Uw Dii, dat ik elgee (altid) mai walik düün Daan wale Än Du mii maist öön ales Behude eeder än lä
|
6. Auf Dich, dass ich allzeit mög‘ willig Ausführen (tun) Deinen Willen Und Du mich mögest in allem Behüten früh und spät.
|
|
7. Leet ee (nat) aptian än kame fjur‘ weere än gruulik win, dat use leet ee (nat) name di flööd, stöörm än grot rin.
|
7. Lass nicht aufziehen und kommen Unwetter und greulichen Wind, dass unsere lass nicht nehmen durch (die) Flut, Sturm und großen Regen.
|
|
8. Behud feer frich än bröön, feer hääleslach än snaien, feer schälme, tiiw‘ än haien, erhual jao jud‘ än löön.
|
8. Behüte vor Krieg und Brand, vor Hagelschlag und Schneien voir Schelemn, Dieben und Haien, erhalt dich Leut* und Land,
|
|
9. Min hus, min hööf, min lääwen, min gööd, min löön, än söön än wat Du mii öörs jääwen, wuf, beern, min frun‘ än (hiale)keen.
|
9. Mein Haus, meinen Hof, mein Leben, mein Gut, mein Land und (meinen) Sand und was Du mir sonst hast gegeben, Frau, Kind, meine Freunde und Gesind‘.
|
|
10. Nam Du, oo Good, in aacht, dat auer mii än dat min di bööse giist ee fine mai ünik waalt än maacht.
|
10. Nimm Du, oh Gott, in (Deine) acht, dass über mich und die meinen der böse Geist nicht finden möge üble Gewalt und Macht. |
|
Das Vater Unser in Halligfriesisch, geschrieben 1855: |
|
|
Usen Baabe, dir Du bäst öön'e hämel. |
Vater unser, der Du bist im Himmel, |
|
halig skal weese Daan noome. |
Heilig soll Dein Name sein. |
|
Din rik kame to us. |
Dein Reich komme zu uns, |
|
Daan wale skal skee'e as öön'e hämel, |
Dein Wille soll geschehen wie im Himmel |
|
su ol uw’e eerde. |
so auch auf der Erde. |
|
Us däächlik bruad düün us däling, |
Unser tägliches Brot gib uns heute, |
|
ferjeew us us skul, |
vergib uns unsere Schuld, |
|
as wii ferjeewe us skulners. |
wie wir vergeben unseren Schuldigern. |
|
Feer us ee in ferseekung, |
Führe uns nicht in Versuchung, |
|
man erlöös us foon aal das eerig. |
aber erlöse uns von all dem Bösen. |
|
Dän Din is dat ruk, de kraft än de |
Denn Dein ist das Reich, die Kraft und die |
|
härlikhait in eewishait. |
Herrlichkeit in Ewigkeit. |
|
Amen |
Amen |