
Andere Sprachen und Dialekte:
Interessant ist auch ein Blick auf andere regionale Sprachen und Dialekte im nordeuropäischen Raum.
Neben dem Gutnischen kann zum Beispiel noch das im westschwedischen Dalarna verbreitete Älvdalische genannt werden. Das Älvdalische ist wie Gutamål eine selbständige skandinavische Sprache, jedoch bis heute nicht vom schwedischen Staat als solche anerkannt. Wer hier mehr wissen möchte, dem sei der Verein Ulum Dalska empfohlen. Der Verein hat auch mehrere Publikationen herausgegeben, darunter auch 2023 und 2024 auch eine Reihe von fünf modernen Lehrbüchern. Sprachgeschichtlich interessant sind auch Schonisch und Jämtländisch als Brückenvarianten zum Dänischen und Norwegischen. Für beide Varianten gibt es hier, hier und hier entsprechende Online-Wörterbücher.
Gemeinsamkeiten als regionale Sprache bestehen auch mit dem Nordfriesischen. Das Nordfriesische ist eine westgermanische/nordseegermanische Sprache und steht somit dem Englischen und Niederdeutschen näher. Es hat jedoch auch starke dänische/nordische Einflüsse. So wird zum Beispiel vermutet, dass es vor der Ankunft friesischer Siedler bereits eine nordische Präsens auf den nordfriesischen Inseln gab. Wer sich für das Nordfriesische und seine Dialekte interessiert, dem sei das Nordfriesische Institut und die Fering Stiftung auf der Insel Föhr empfohlen, die beide jeweils auch einen Online-Shop betreiben. Für das Föhrer Nordfriesisch (Fering) wurde vor einigen Jahren mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) ein Online-Übersetzer entwickelt, der ganze Sätze und Textpassagen aus dem Deutschen oder Englischen ins Föhrer Friesisch übersetzt. Wäre das nicht auch eine Idee für das Gutamål? Wer einen Blick riskieren möchte: Fering Auersaater
Interessant ist auch ein Blick nach Schottland und auf die Bemühungen dem Schottischen Gälisch wieder mehr Raum in zum Beispiel Medien und Bildung zu geben. Das Schottische Gälisch ist eine keltische/gälische Sprache, wurde jedoch in der Wikingerzeit auch stark vom Nordischen beeinflusst. Wer sich für das Schottische Gälisch interessiert, dem sei die Seite Learn Gaelic mit einem Wörterbuch und Aussprachehilfen empfohlen.
Bemerkenswert sind auch die Bemühungen um die Wiederbelebung des früher im Südosten des Ostseeraums gesprochenen Prussischen. Das Prussische ist (wie Lettisch und Litauisch) eine baltische Sprache, die jedoch in der Neuzeit vom Deutschen abgelöst worden ist. Hier sei auf das 2017 erschienene Buch Altpreusssiche Geschichte-Dialekte-Grammatik von Vytautas Rinkevičius aus der Schriftenreihe der Gesellschaft für Baltische Studien verwiesen. Andere Beispiele für die Wiederbelebung von nicht oder kaum noch gesprochenen Sprachen sind das (semitische) Hebräische, das (keltische) Kornisch und auch das (keltische) Gallisch in Frankreich. Ob gleiches in Zukunft auch für andere Sprachen wie das antike Uggaritische vorstellbar wäre?
Eine weitere Sprachfamilie im Ostseeraum sind die finno-ugrischen Sprachen wie das Finnische, das Estnische und das Samische. Beachtenswert sind hier die Bemühungen um die im Raum Karelien verbreiteten regionalen Varianten des Karelischen und Wepsischen, die heute unter starkem Druck des Russischen stehen. Wepsisch wird heute noch von zwischen 1.000 und 2.000 Menschen gesprochen und ist insofern stark gefährdet. Wer sich für Karelien und das Karelische und Wepsische interessiert, dem seien hier und hier entsprechende Sprachkurse empfohlen. Interessant ist auch der Blick in das früher mehrsprachige finnische und schwedische Viborg hier und hier.
Fehlen soll auch nicht ein Hinweis auf die Bemühungen den (ostdänischen) Dialekt auf Bornholm fortzuführen. Genannt werden kann das Facebook-Projekt Snakk Bâra.
Angeldänisch und Halligfriesisch
Im Besonderen soll hier einmal auf das Angeldänische und das Halligfriesische (gewissermaßen als Exkurs zu den Ausführungen zum Gutamål) eingegangen werden. Das Angeldänische ist ein früher in den Landschaften Angeln (dän. Angel) und Schwansen (dän. Svansø) im Osten Südschleswigs verbreiteter dänisch-jütländischer Dialekt, der heute (nach meinem Wissen) leider nicht mehr gesprochen wird. Das Halligfriesische ist ein auf den nordfriesischen Halligen im Westen Südschleswigs verbreiteter friesischer Dialekt, der heute auch stark in seinem Bestand gefährdet ist. Über beide Dialekte lassen sich leider im Netz und in der Literatur kaum Informationen finden, sie sind jedoch ein interessantes Beispiel für die sprachliche Vielfalt im deutsch-dänischen Grenzland und für den in den letzten Generationen stattgefundenen sprachlichen Wandel in der Region.